Assoziations-Schach

Bei einem Kurs kürzlich entstand die folgende Idee des Assoziations-Schach. Zunächst ist es nur eine Idee, die ausprobiert und erforscht werden muß, um ihr Potenzial auszuloten. Basis dafür war die Kreativitäts-Technik des Brainwriting. Relativ zum Brainwriting, wie bei Wikipedia beschrieben, gibt es drei Unterschiede:

  1. Es gibt kein gemeinsames Ziel – jeder Teilnehmer definiert sich sein Ziel, seine Aufgabe, seine Problemstellung selbst (ohne sie/es den anderen zu verraten).
  2. Das Ganze findet nicht in einem Raum statt, sondern verteilt über das Internet.
  3. Das Ganze findet nicht in einer “Sitzung” statt, sondern so ähnlich wie Fernschach in einem unzusammenhängenden (aber idealerweise regelmässigen) Austausch.

Von der Anleihe beim Fernschach stammt auch der Name: Assoziations-Schach.

Assoziations-Schach – Grundlegender Ablauf

Eine kleine Gruppe “Freunde” beschließt, Assoziations-Schach zu spielen.
Jeder legt für sich das Thema der Runde fest.
Alle einigen sich auf eine Reihenfolge der Teilnehmer.
Einer beginnt und erfindet einen initialen Beitrag. Dieser wird über das Internet in der Reihenfolge an den nächsten geschickt.
Wer einen Beitrag erhält, tut zwei Dinge: Einerseits wird der Beitrag auf sein individuelles Thema “angewandt”, andererseits dient er als Basis für die weitere Assoziation: Der nächste Beitrag wird erfunden und weitergeschickt.

Ausgestaltungen – Empfehlungen

  • Gruppengröße: Die Gruppen sollten wahrscheinlich vier Teilnehmer oder mehr umfassen – und höchstens sieben. Ich vermute, daß es sich lohnt, wenn die Teilnehmer sich kennen.
  • Lockerungsübung: Es macht sicher Sinn, wenn jeder Teilnehmer sich mit einer Lockerungsübung “in Stimmung bringt”, bevor man sich seinem “Spielzug” zuwendet.
  • Mehrere Partien “simultan”: Da der Zeitaufwand für die Lockerungsübrung mit Sicherheit den Zeitaufwand für den eigentlichen Spielzug bei weitem überschreitet, macht es Sinn, an mehreren Runden gleichzeitig teilzunehmen – sowohl verschiedene als auch gleiche Themen scheinen Vorteile zu bieten, das müsste man ausprobieren.
  • Format der Beiträge – Anhänge: Um tatsächlich ungezwungen zu assoziieren, sind Email-Anhänge (Word, Powerpoint, …) ausdrücklich sinnvoll: Erst wenn der Empfänger die Zeit, Ruhe und Einstellung hat, um weiterzuspielen, wird das “Siegel” gebrochen und der Anhang geöffnet. Allerdings sollte man zu exotische Dateiformate meiden.
  • Inhalte der Beiträge: Als Inhalt der Beiträge ist erlaubt, was gefällt: Stichworte, Verse, Bilder, Videos, Musik, Mind-Maps – was auch immer die moderne Multimedia-Technik hergibt. Auch “Wiederverwendung” von früheren Beiträgen ist ausdrücklich erlaubt. Copyright könnte dagegen zum Problem werden.
  • “Anwenden” der Beiträge: Das “Anwenden” der Beiträge sollte ausdrücklich als “Suche nach der Beziehung zwischen dem Beitrag und dem Thema” interpretiert werden. Es gibt nicht “keine Beziehung” – es gibt höchstens solche, die nicht unbedingt naheliegen. Diese Suche nach den Beziehungen kann auch in die Lockerungsübung integriert werden.

Offene Fragen

  • Anonymität: Wahrscheinlich ist es ein ernsthaftes Kreativitäts-Hemmnis, daß die Beiträge Teilnehmern zugeordnet werden können. Vorläufig habe ich nur zwei Angebote dazu:
    1. Gute Freundschaft: Wenn die Mit-Teilnehmer sich so gut kennen, daß die Hemmschwelle niedrig ist, sollte das Problem halbwegs gedämpft sein.
    2. Disney-Kreativitätstechnik: Um die Kreativität im Spiel nicht zu stören, kann man beim Erstellen des Beitrages mehr Inhalte erzeugen als benötigt würden, und – möglichst räumlich getrennt – noch einmal kritisch reflektieren, ob dieser Beitrag so in die Welt geschickt werden kann.

Weitere Experimente

Das Ganze könnte man auch “synchron” mit einem Instant Messenger aufziehen. Natürlich muß man dann die Ausgestaltung entsprechend anpassen.

Zukunftsmusik

Eigentlich eignet sich Assoziationsschach ideal für eine kleine Web-Anwendung, die die Themen der Spieler verwaltet, die Zusendungen anonymisiert und den Siegel-Charakter der Anhänge wahrt.

by-nc-nd