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Berners-Lee über Phorm

Als ehemaliger Mitarbeiter von Sir Tim Berners-Lee bekomme ich natürlich lange Ohren, wenn er sich in der Öffentlichkeit äußert. Mein Eindruck war nämlich immer: Das tut er nicht gerne. Und wenn er sagt: “Ich würde den Provider wechseln”, dann sollte jeder genau hinsehen, worauf er achten sollte.

Wie der Spiegel Online berichtet geht es dabei um den Schutz der Privatsphäre und um “Targetted Advertising” (in etwa: Gezielte Werbung, also Werbung die aufgrund von Datensammlung über das Online-Verhalten individuell zugeschnitten wird), und dort spezifisch um die Online-Marketing-Plattform Phorm. Der Spiegel bezieht sich dabei auf ein BBC Interview (Kurzfassung).

Zum Glück zeigt die Live-Umfrage auf der entsprechenden Spiegel-Seite, was Deutsche von diesem Verfahren halten: Über 50% finden es grundsätzlich nicht OK, über 40% sind der Meinung, daß nur “Opt-In” (also wenn der Surfer ausdrücklich im Voraus der Datensammlung zustimmt) OK sind.

Zu dem vom Spiegel zitierten  Statement von Jupiter Research (aus: Why Behavioral Targeting is Scary): “Ich bin mir sicher, dass Sir Berners-Lee einer der führenden Köpfe der digitalen Welt ist – aber entweder er hat nie etwas über behavioral targeting gelesen, oder er kennt die Bedeutung des Wortes ‘anonym’ nicht, oder er misstraut ganz einfach seinem Service-Provider.” (Original: “I’m sure Sir Berners-Lee is one of the great minds of the digital world — but either he has never bothered to read up on behavioral targeting, or he doesn’t know the meaning of the word ‘anonymous,’ or he simply doesn’t trust his ISP.”) kann ich nur sagen:

Ich wurde 1997 im W3C angestellt, insbesondere um die Datenschutzinitiative zu verstärken. Auch damals war Opt-Out / Opt-In und Anonymität schon im Zentrum der Diskussion. Auf der anderen Seite hat eine Bekannte von mir 1999 ihre Doktorarbeit über die automatische Identifikation von Personen anhand ihrer Verhaltens-Profile geschrieben.

Wer hat hier seine Hausaufgaben nicht gemacht?

by-nc-nd